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Der Wanderer
Impulsfragen:
- Welche Lasten schleppst Du durch Dein Leben?
- Was ist ein nächster guter Schritt, um das eine oder andere loszulassen und abzulegen?
- Wann hast Du Dich zuletzt frei und leicht gefühlt?
Er lief. Und das schon lange.
An seinem Rücken hing ein schwerer mit Sand gefüllter Sack. Um seinen Körper war ein dicker Wasserschlauch geschlungen. In einer Hand ein Stein, in der anderen ein Geröllbrocken. Um seine Fußgelenke rostige Ketten, die schwere Gewichte durch den Staub schleiften. Auf dem Kopf balancierte er einen halbfaulen Kürbis. Und um seinen Hals hing an einem dicken Strick ein alter Mühlstein.
Bei jedem Schritt klirrten die Ketten.
Er stöhnte. Er klagte. Er litt.
Aber er lief tapfer immer weiter.
Dann sprach ihn ein Bauer an. Eine einfache Frage: Warum schleppst Du einen Stein und diesen Felsbrocken mit Dir?
Der Wanderer hielt inne. Schaute. Und sah sie zum ersten Mal.
Er warf sie weg. Und sein Gang wurde sofort leichter.
Kurze Zeit später sprach ihn ein zweiter Bauer an. Diesmal waren es die Ketten und der faulende Kürbis. Wieder dasselbe Aha-Erlebnis: „Ich hab das gar nicht bemerkt.“ Er schüttelte die Ketten ab und warf den Kürbis hinter sich. Augenblicklich fühlte er sich leichter.
Aber sein Schleppen war noch nicht zu Ende.
Ein dritter Bauer führte ihm vor Augen, was er noch immer trug: Sand auf seinem Rücken. Obwohl die Straße vor ihm voll davon war. Brackiges Wasser im Schlauch. Obwohl direkt neben ihm ein Fluss mit klarem Wasser seinen Weg begleitete.
Manchmal kämpfen wir gegen Probleme, die wir längst gelöst haben könnten. Oder wir verteidigen das, was uns belastet. Wie oft sehen wir nicht oder wollen wir gar nicht sehen, was wir alles mit uns herumtragen.
Der Wanderer schließlich ließ los, warf den Sack mit Sand von sich und leerte den Schlauch. Der Sand verteilte sich auf dem Weg. Das übel riechende Wasser versickerte im Boden.
Dann stand er still.
Die Sonne ging unter.
In diesem Moment der Stille sah er ihn. Den Mühlstein an seinem Hals. Die schwerste Last von allen. Die, die er am längsten getragen und zu allerletzt bemerkt hatte.
Er band den schweren Stein los.
Und schritt – zum ersten Mal seit langer Zeit – leichten Fußes in den Abend.
Quellen und weiterführende Informationen
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Erzählt aus „Der Kaufmann und der Papagei“ von Nossrat Peseschkian.

