Wer bewertet schneller – Sie oder Ihre Nachbarn?

Er war einmal ein alter Mann, der zur Zeit Lao Tses in einem kleinen chinesischen Dorf lebte. Der Mann lebte zusammen mit seinem einzigen Sohn in einer kleinen Hütte am Rande des Dorfes. Ihr einziger Besitz war ein wunderschöner Hengst, um den sie von allen im Dorf beneidet wurden.

Eines Tages war der Hengst verschwunden. Nachbar kamen und sagten: “Armer Mann! Was für ein Unglück!” Der alte Mann schaute sie an und sagte nur: “Unglück – Mal sehen, wer weiß?”

Ein paar Tage später, war der der Hengst wieder da und mit ihm war ein Wildpferd gekommen, das sich dem Hengst angeschlossen hatte. Jetzt waren die Leute im Dorf begeistert. “Du hast Recht gehabt”, sagten sie zu dem alten Mann. Das Unglück war in Wirklichkeit ein Glück. Der Alte sagte nur: “Glück – Mal sehen, wer weiß?”

Am nächsten Tag begann der Sohn des alten Mannes, das neue Wildpferd zu zähmen und zuzureiten. Beim ersten Ausritt warf ihn dieses so heftig ab, dass er sich beide Beine brach. Die Nachbarn im Dorf versammelten sich und sagten zu dem alten Mann: “Du hast Recht gehabt. Das Glück hat sich als Unglück erwiesen, dein einziger Sohn ist jetzt ein Krüppel.” Aber der Alte blieb gelassen und sagen zu den Leuten im Dorf: “Unglück – Mal sehen, wer weiß?”

Ein paar Wochen später begann ein Krieg. Der König brauchte Soldaten, und alle wehrpflichtigen jungen Männer im Dorf wurden in die Armee gezwungen. Nur den Sohn des alten Mannes holten sie nicht ab, denn den konnten sie mit seinen Krücken nicht gebrauchen. “Ach, was hast du wieder für ein Glück gehabt!” riefen die Leute im Dorf. Der Alte sagte: “Mal sehen, wer weiß?”

Aus “Wie das Gehirn Spitzenleistungen bringt – Mehr Erfolg durch Achtsamkeit” von Notebaert und Creutzfeldt.

Ihr Michael Göhring, info@innenfokus.de

Hinweis zu Geschichten

Geschichten gebe ich Dir bewusst unkommentiert oder allenfalls um Impulsfragen ergänzt weiter. So entsteht ein Freiraum für individuelle Interpretation. Und genau dort, in diesem selbst erwirkten Bezug, entfalten Geschichten und Metaphern ihr volles Potential. In diesem Sinne wünsche ich Dir eine gute Zeit beim Lesen, Anhören und Wirkenlassen.


“Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen.” – Jorge Bucay