Die Strategie der positiven Erlebnisse

Wie gehen Sie mit Stress um? Gleichen Sie vielleicht sinnbildlich dem Holzfäller im Wald, der keine Zeit hat, seine Axt zu schärfen? Denken Sie, „ich bin so im Zeitdruck, da kann ich meine Zeit nicht mit Sinnlosigkeiten wie z.B. Entspannung vergeuden“?
Wenn Sie über einen längeren Zeitraum versuchen, hohen Anforderungen zu genügen, wenn Sie sich ein überdurchschnittliches Leistungspensum abverlangen, wenn Sie große Belastungen durchleben oder Sie bereits spüren, dass „alles zu viel“ wird, gerade dann ist Ausgleich erforderlich.

Der Psychologe Eberhardt Hofmann beschreibt u.a. eine Strategie der positiven Erlebnisse [1]. Die Idee dabei: Ausgleich von Belastungen bzw. Erhöhung der Belastbarkeit durch positives Geschehen in Ihrem Leben. Das ist an sich natürlich nichts Neues, fällt aber trotzdem leicht unter den Tisch. Und landet dort gleich neben Ihrer Belastbarkeit, die gerne mal in den Keller geht, wenn Sie sich nicht um sie kümmern.

Warum nicht einmal folgende Hinweise ausprobieren? Möglicherweise erweitern Sie dadurch Ihr persönliches Stress-Management um eine weitere wirkungsvolle Strategie:

1. Ausgleichende Aktivitäten gerade bei Anspannung einsetzen
Gemäß dem sog. Yerkes-Dodson-Gesetz kann verstärktes Arbeiten an einem Problem dazu führen, dass sich Ihre Effizienz deutlich verringert [2]. Der alte Satz „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ ist zumindest im Hinblick auf sinnvolle Erholungsphasen kritisch zu hinterfragen.

2. Viele kleine Erholungen sind wirkungsvoller als wenige große
Dahinter steckt die Beobachtung, dass der gewünschte Effekt einer Erholungsphase mit ihrer Dauer exponentiell abnimmt. Unter diesem Aspekt macht beispielsweise jahrelanges Aussetzen und Ansammeln von Urlaubstagen wenig Sinn.

3. Positive Erlebnisse müssen ohne Zeitverzug verfügbar sein
Dieser sehr praxisnahen Empfehlung liegt schlichtweg die Feststellung zugrunde, dass Ihnen eine Maßnahme, die Sie im Hier und Jetzt einsetzen wollen, wenig nützt, wenn Sie diese erst länger im Voraus planen, buchen oder organisieren müssen.
Ein entspannter Waldlauf, Aktivitäten mit Freunden oder Zeit mit sich selbst lassen sich flexibel und kurzfristig einsetzen.

4. Aktiver Ausgleich ist besser als passiver
Sportler kennen diesen Effekt. Die Regenerationszeit nach sportlicher Anstrengung verkürzt sich durch aktive Erholungsphasen. Sie kennen dies vielleicht vom Auslaufen bei Fußballern oder in Verbindung mit sogenannten Regenerationsläufen bei Marathonläufern.
Sollte derzeit die Berieselung durch TV Ihre einzige Erholungsmaßnahme darstellen, fragen Sie sich bitte ebenso offen wie kritisch, ob Sie sich wirklich mit dem als relativ gering eingeschätzten Erholungswert von Fernsehen wirklich zufrieden geben möchten.

5. Positives Erleben braucht Zeit
Der Mensch kann sich innerhalb von Sekunden biologisch in eine Kampf-/Fluchtreaktion versetzen. Das geschieht auch dann, wenn Sie „negativen Stress“ empfinden. Entspannung braucht jedoch meist mehr Zeit als Anspannung. Gönnen Sie deshalb Ihrem Körper und Geist auch die nötige Zeit.

6. Positive Erlebnisse sind individuell und ziellos
Finden Sie Aktivitäten, die Ihnen wirklich Erholung schenken, Ihre Anspannung senken und die Sie absichtslos, ohne Ziel, ohne Leistungsdruck verfolgen können. Gestatten Sie sich, diese Zeit zu Ihrem persönlichen Ausgleich und zu Ihrer Freude einzusetzen. Auch wenn dabei scheinbar „nichts erreicht“ oder geschaffen wird.

Übrigens, zwanghaft intendiertes Entspannen im Sinne von „So, jetzt entspanne ich mich auf Kommando und wehe es klappt nicht!“ führt ebenso nachvollziehbar wie zielsicher genau zum Gegenteil.

Denken Sie zurück, was Ihnen früher half, in Zeiten hoher Belastung zu bestehen. Machen Sie eine Inventur und probieren Sie Neues aus. Ganz nach dem Prinzip: Mehr von dem, was hilft. Das können soziale Aktivitäten sein, Sport, Spaziergänge, Natur, Kulturelles, Entspannungsmethoden, Zeit mit sich selbst, Ihre Badewanne, usw. Seien Sie kreativ!

Ihr Michael Göhring, info@innenfokus.de

Quellennachweis:

[1] Erfolgreiches Stress-Management, Eberhardt Hofmann, Hogrefe, 2013

[2] de.wikipedia.org/wiki/Yerkes-Dodson-Gesetz

Hinweis zu Geschichten

Geschichten gebe ich Dir bewusst unkommentiert oder allenfalls um Impulsfragen ergänzt weiter. So entsteht ein Freiraum für individuelle Interpretation. Und genau dort, in diesem selbst erwirkten Bezug, entfalten Geschichten und Metaphern ihr volles Potential. In diesem Sinne wünsche ich Dir eine gute Zeit beim Lesen, Anhören und Wirkenlassen.


“Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen.” – Jorge Bucay