Ein Gefühl ist wie ein Kind

An dieser Stelle ein schöner poetischer Ausdruck eines wichtigen Aspekts der Grundhaltung beim Focusing. Wie begegnen Sie dem, was Sie als „Gefühl“ erleben? Können Sie z.B. das, was ist, freundlich begrüßen und es neugierig beobachten? Gerade, wenn etwas als unangenehm empfunden wird, wie z.B. Angst oder Unsicherheit , kann diese Haltung einen fundamentalen Änderungsprozess einleiten bzw. begünstigen.

Genießen Sie dazu ein Gedicht von Jörg Zink:

Ein Gefühl ist wie ein Kind,
das in uns lebt und weint und lacht,
Hunger hat und bemerkt sein will.
Wer zu seinem Gefühl zu oft sagt:
„Sei still, ich habe jetzt keine Zeit für Dich“,
dessen inneres Kind sitzt eines Tages
in einer vergessenen Ecke und trauert,
wird krank und verkümmert.

Mit Gefühlen soll man umgehen,
wie man mit einem Kind umgeht:
Man sieht ihm freundlich und aufmerksam zu,
man hört, was es klagt,
man leidet mit ihm, wenn es leidet.
Denn Gefühle sind die lebendigsten Kräfte in uns,
und keine andere Kraft in uns
bringt so viel Lebendiges hervor.

Ein Kind hat auch Wünsche,
die nicht immer zu erfüllen sind:
berechtigte, gut und schöne.
Dann nehmen wir es in den Arm
und sind mit ihm traurig.

Aber wir schicken es nicht weg.
Ein Kind kann verstehen,
dass es nicht alles haben kann.
Aber lieben muss man es,
ihm Mut geben und Fröhlichkeit
und Raum, seine Kräfte zu regen.

Ihr Michael Göhring, info@innenfokus.de

Hinweis zu Geschichten

Geschichten gebe ich Dir bewusst unkommentiert oder allenfalls um Impulsfragen ergänzt weiter. So entsteht ein Freiraum für individuelle Interpretation. Und genau dort, in diesem selbst erwirkten Bezug, entfalten Geschichten und Metaphern ihr volles Potential. In diesem Sinne wünsche ich Dir eine gute Zeit beim Lesen, Anhören und Wirkenlassen.


“Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen.” – Jorge Bucay